Vom Tabu zur Normalität
2. 8. 2024

SchönheitsOPs durch Paula´s Augen

In einer Welt, in der Schönheitsoperationen immer präsenter werden, frage ich mich oft – und ich werde auch oft gefragt: Wann ist ein Eingriff OK und wann wird es “too much”?

Ich bin in einer Zeit und in einer Familie aufgewachsen, in der Schönheitsoperationen ein absolutes Tabu waren. Damals waren solche Eingriffe etwas, das ausschließlich reichen Promis vorbehalten war. Heute sieht die Welt anders aus. Ich arbeite in der Schönheitsbranche und habe mir selbst schon mehrere Eingriffe gegönnt. Für alle meine Kinder ist mein Beruf ganz normal, doch meine jüngste Tochter zeigt schon mit sechs Jahren ein erstaunliches Interesse an dem, was ich tue.

Sie schaut sich oft in meinem Büro um und fragt mich, wofür Brustimplantate verwendet werden, die auf meinem Arbeitstisch liegen. Wenn ich sie manchmal in die Klinik mitnehme, beobachtet sie die Frauen, die zur Nachkontrolle kommen. Sie stellt Fragen wie: „Warum haben deiner Kundin ihre Augen nicht mehr gefallen?”, “Warum hat die Frau eine Narbe um die Nase herum, wenn doch der Mund korrigiert wurde?“ oder „Warum ist der Kopf mit so viel Verbandsmaterial umwickelt, muss doch lästig sein, oder?“. 

Diese Neugier ist völlig normal. Sie ist einfach dabei, ihre Umwelt zu verstehen. Doch wie erkläre ich ihr, wann eine Schönheitsoperation in Ordnung ist und wann sie zu viel wird? Wie erkennst du, wann es okay ist und wann nicht?

Das Schwierigste daran ist, dass man nie in der Haut des anderen steckt. Man kann nie genau verstehen, wie sehr jemanden die Unzufriedenheit mit einer bestimmten Körperstelle belastet. Dass Schönheit im Kopf beginnt, ist zwar schön und gut, aber eine Frau kann mit sich selbst im Reinen sein und sich dennoch durch eine Problemzone eingeschränkt fühlen.

Manchmal sind Operationen sogar aus medizinischen Gründen notwendig. Eine Augenlidkorrektur kann die Gesichtsfeldeinschränkung beheben, eine Brustverkleinerung Rückenschmerzen lindern, eine Nasenoperation die Atmung verbessern und eine Intimoperation Inkontinenz beseitigen.

Aber wann ist eine Operation zu viel? Eine allgemein gültige Antwort darauf gibt es nicht, denn die Unsicherheiten und Wünsche sind sehr individuell. Oft steckt eine tiefere Bedeutung dahinter, die sehr intim und persönlich ist.

Es ist wichtig, die Gesundheit nicht zu gefährden. Dazu gehören übermäßig große Implantate bei Brustvergrößerungen oder zu viele Operationen in Vollnarkose, die wiederholte Narkoserisiken darstellen. Auch die Entfernung großer Fettmengen birgt Risiken. Obwohl die Fettabsaugung allgemein als sicher gilt, wünschen sich manche Frauen, so viel Fett wie möglich auf einmal entfernen zu lassen, was die Risiken enorm erhöht.

Realistische Erwartungen sind ebenfalls entscheidend. Man sollte sich gründlich und detailliert beraten lassen. Frauen, die mit Fotos aus Instagram kommen und gleiche Ergebnisse erwarten, können schnell enttäuscht werden. Unrealistische Erwartungen führen oft zu weiteren Eingriffen.

Ein allerwichtiger Punkt: Lass dich nie von irgendjemanden oder von irgendetwas zu einer Operation drängen! Es ist egal, was dein Partner sagt (wenn ein Mann verlangt, dass sich eine Frau operieren lässt, ist er eh ein A…), es ist egal, was du auf Social Media siehst (die meisten Bilder sind mit Filtern bearbeitet), und es ist egal, ob dich dein Ex wegen einer jüngeren Frau verlassen hat (sein Verlust, nicht deiner!).

Und umgekehrt: Wenn es dein Wunsch ist, pfeife drauf, was alle anderen sagen! Tue es für dich. Es ist deine Schönheit und deine Entscheidung.

Und das Mama-Tochter-Fazit? Wenn meine Tochter erwachsen ist, wird sie sich vielleicht auch Schönheitsoperationen gönnen. Aber ich mache mir keine Sorgen, denn ich erziehe sie zu einer starken Persönlichkeit. Sie wird ihren Selbstwert kennen und wissen, wann eine Operation in Ordnung ist und wann nicht.

Deine Paula

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